16.12.2017

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Kampf gegen das Rauchen - „Wo die Politik versagt“

Berlin Unter dem Slogan: „Wo die Politik versagt - Raucherentwöhnung aktiv gestalten“ stellte sich jetzt die im Frühjahr 2005 gegründete und in München ansässige Ärzte-Initiative-Raucherhilfe e.V. (AIR) der Presse in Berlin vor. Die AIR ist ein unabhängiges und interdisziplinäres Forum von Ärzten mit der Zielsetzung, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Ärzten mit Behandlungsempfehlungen und bei wirksamen Therapiemaßnahmen helfen. Dazu gehört es auch, einen Dialog mit gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern zur Kostenübernahme von Raucherberatung und Raucherentwöhnungstherapien durch das Gesundheitssystem zu führen. Der ärztliche Hinweis ist die stärkste Motivation für Raucher, mit dem Rauchen aufzuhören! (Wilfried Machens)

Bei einem Vergleich der Suchtkrankheiten steht mit 6,8 Mill. die Tabaksucht an 1. Stelle, gefolgt von 1,6 Mill. Alkoholsüchtigen, und 150 000 Drogensüchtigen. Damit ist die Tabaksucht ein echter Killer, dem täglich 383 Tabaksüchtige zum Opfer fallen. Im Jahr sind das 140 000 Todesfälle.
Auffällig ist das soziale Gefälle beim Tabakkonsum. In sozial schwächeren Gesellschaftsschichten wird deutlich mehr geraucht, und prozentual auch mehr für die Tabaksucht ausgegeben. Die Ausgaben für Tabakwaren betragen bei diesem Personenkreis bis zu 20% des Einkommens.
Die Nikotinabhängigkeit gehört zu den behandlungsbedürftigen Suchtkrankheiten. Die Folgekosten für die Behandlung betragen 18,8 Mill. Euro für das Gesundheitssystem. Die Einnahmen aus der Tabaksteuer fallen mit 14 Mill. deutlich geringer aus. Die Tabaksteuer vereinnahmt der Staat, die Behandlungskosten für die Spätfolgen des Rauchens werden dagegen durch die Krankenkassenbeiträge aller Versicherten finanziert. Unverständlich ist daher die Toleranz der großen Mehrheit der Nichtraucher gegenüber der Minderheit der Raucher, mit der die enormen Folgekosten des Rauchens finanziert werden.
Das Verursacherprinzip, das sonst überall greift, ist hier außer Kraft gesetzt - und das in Zeiten leerer Kassen der Versicherungsträger. Nach dem Verursacherprinzip wären die Gewinne der Tabakindustrie heranzuziehen und - in zweiter Linie - auch höhere Beiträge für alle Raucher. In den USA ist dieser Sachverhalt längst erkannt, weshalb in steigender Zahl Musterprozesse auch von staatlichen Organen gegen die Tabakindustrie geführt werden.
Gegenwärtig wird mit relativ großem Aufwand versucht, bei jungen Menschen den Einstieg in das Rauchen zu verhindern. Ein generelles Rauchverbot in den Schulen, das inzwischen in einigen Bundesländern erfolgreich eingeführt wurde, ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es fehlen die flankierenden Maßnahmen. Dazu gehört Verteuerung der Tabakprodukte durch höhere Steuern, die sich gerade bei Jugendlichen wegen deren begrenzter finanzieller Mittel positiv auswirken würde. Ferner wird ein Verkaufsverbot von Zigaretten in Automaten sowie ein Verkaufsverbot von Rauchwaren in Lebensmittelgeschäften und Kiosken gefordert, ferner ein striktes Einhalten
des Jugendschutzgesetzes und Rauchen erst ab 18 Jahren. Aber all diese Maßnahmen bringen nicht den gewünschten Erfolg, solange der Staat nicht entschiedener gegen die illegalen Schmuggler und Verkäufer von Zigaretten vorgeht, zu deren Abnehmern zunehmend Jugendliche zählen. Nach der neusten Studie des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC) ist jede sechste in Deutschland gerauchte Zigarette nicht mehr hier versteuert. Dieser Anteil ist an der deutschen Ostgrenze extrem hoch und erreicht im Oder-Spreekreis 61,1%, in Berlin 23,1%.
Kinder sind „das wichtigste Gut eines Staates“, und es ist die vornehmste Aufgabe des Staates, alles für den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu tun. In Frankreich hat der Innenminister soeben verkündet, daß Ausländer, die eine Straftat begehen, sofort ausgewiesen werden sollen, gleichgültig ob sie eine Aufenthaltsgenehmigung haben oder nur eine Duldung. In Deutschland haben die besonders in den neuen Bundesländern agierenden vietnamesischen und osteuropäischen Zigarettenverkäufer dagegen keinerlei abschreckenden Strafen zu erwarten.
Ein Schlaglicht auf die Einstellung Jugendlicher wirft eine Veröffentlichung von 2004 über „Ansichten von Jugendlichen aus dem Land Brandenburg, Wendekinder“ der heute 15-16jährigen unter anderem auch zum Thema Rauchen. (herausgegeben von der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung). Anna, 15 Jahre alt: „Rauchen tu ich, seit ich 12 bin, so ungefähr fünf pro Tag. Die Aufkleber auf den Schachteln stören mich nicht. Ich find` auch die Sprüche ziemlich schwachsinnig. Was soll denn das heißen – Raucher sterben früher? Deswegen hör ich doch nicht auf zu rauchen.“
Das Einstiegsalter für den Konsum von Zigaretten ist ständig gesunken und liegt jetzt bei 12 Jahren. Der Versuch, am Beginn einer „Raucherkarriere“ durch individuellen Hinweis auf die Folgeerkrankungen der erst in Jahrzehnten einsetzenden Gesundheitsschäden die Einsicht zur Raucherentwöhnung zu fördern, ist praktisch nicht vorhanden. Bis von staatlicher Seite mit konkreten Maßnahmen den Rauchern der Kampf angesagt wird, bleibt nur der Weg des individuellen Rauchverzichts. Es ist zu wünschen, daß das von der AIR propagierte Raucherentwöhnungsprogramm langfristig angelegt wird und möglichst viele Hausärzte mitmachen, um den Erfolg zu sichern.



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