20.08.2017

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Gedächtnisschwäche

Gedächtnisschwäche kann vielfältige Ursachen haben: eine vorübergehende Durchblutungsstörung, Schlaganfall, Hirnverletzung, Vergiftung (z.B. CO = Kohlenmonoxid), Vitamin-B1-Mangel und vieles mehr. Sie kann das erste Anzeichen für Morbus Alzheimer sein. Wenn das Gedächtnis gestört ist, reagieren die meisten Menschen alarmiert. Die wichtigste Hirnregion für das Gedächtnis ist der Hippocampus, eine Struktur im Zwischenhirn (Diencephalon). Dort werden Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis überführt.
Dieser Artikel von R. Machens erscheint bei www.Phytodoc.de


Gedächtnisschwäche
Nach der Dauer der Informationsverarbeitung unterscheidet man
• Kurzzeitgedächtnis und
• Langzeitgedächtnis
Nach dem Inhalt der aufgenommenen Informationen wird unterschieden
• episodisches Gedächtnis (z.B. mein letztes Erlebnis beim Sport)
• Wissenssystem (z.B. „Die Sonne ist ein heisser Himmelskörper.“)
• prozedurales Gedächtnis (z.B. ein Instrument spielen)
• Primingsystem (Wiedererkennen von Reizen, die früher einmal unbewußt wahrgenommen wurden).
Diese Teile des Gedächtnisses speichern sich in verschiedenen Hirnteilen:
• Frontalhirnrinde
• limbisches System
• temporofrontale Hirnrinde
• präfrontale Hirnrinde
• prämotorische Hirnrinde
• Assoziationsareale
• Thalamus
• Kleinhirn.
Neuronale Netzwerke spielen bei einer Optimierung des Gedächtnisses ebenso eine Rolle wie die emotionale Bewertung.

Symptome

Am häufigsten treten zuerst Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis auf. Einkaufen ist nur noch mit Zettel möglich, häufig werden Dinge verlegt, vergessen oder weniger gepflegt. Die Betroffenen sind trotz Anstrengung nicht in der Lage, sich an Vorgänge zu erinnern. Anfangs führt dies oft zu Verdächtigungen, Misstrauen und Aggressivität. Schicht für Schicht gehen im weiteren Verlauf die „höheren“ Persönlichkeitsleistungen und Teile des Ich verloren. Es findet eine Regression statt, die zu völliger Hilflosigkeit führen kann. Das Langzeitgedächtnis bleibt auch bei schweren Störungen sehr lange erhalten.
Besonders quälend kann es sein, wenn in lichteren Momenten (vorübergehend bessere Herz-Kreislauffunktion) die eigene Verfassung erkannt wird. Schlafstörungen sind häufig, die nächtliche Unruhe ist für die Pflegenden sehr anstrengend. Sie kann auf nächtlichen Durchblutungsstörungen mit Sauerstoffmangel der Hirnzellen oder auf emotionalen Störungen beruhen.

Diagnose

Von der einfachen Gedächtnisstörung abzugrenzen ist:
• präsenile Demenz („früher“ Morbus Alzheimer, über 60 % aller Fälle von Demenz;
sie beginnt vor dem 65. Lebensjahr, die Symptome treten nicht nur vorübergehend auf und verschlimmern sich; aktuelle Ereignisse verblassen schneller als weit zurückliegende)
• senile Demenz („später“ Morbus Alzheimer): nach dem 65. Lebensjahr beginnend
• vaskuläre Demenz.
Seltenere Formen:
• Morbus Pick
• Morbus Parkinson und Parkinson-Syndrome
• erblicher Veitstanz (Chorea Huntington)
• Normaldruckhydrozephalus (NPH)
• Demenz bei entzündlichen Veränderungen und Infektionskrankheiten des Gehirns
• Demenz bei AIDS
• Neurolues bei Syphilis
• Demenz bei Multipler Sklerose
• Demenz nach Hirnverletzungen (Traumata)
• Demenz bei metabolischen oder Stoffwechselerkrankungen
• Demenz durch chronischen Alkoholkonsum (Korsakow-Demenz)
• Teilleistungsstörungen wie Legasthenie.
• Pseudodemenz bei Depression: Die Ausfallerscheinungen beginnen eher schlagartig als schleichend, der Patient ist antriebsarm und klagsam, versucht nicht, die Vergesslichkeit mit Notizzetteln etc. zu kompensieren. Die Erinnerungsschwäche für weit zurückliegende und aktuelle Ereignisse ist gleichstark.
• Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (übertragbare spongiforme Enzephalopathie, ausgelöst durch Prionen, selten, jüngere Patienten)
• Kognitive Dysfunktionen bei anderen psychiatrischen Erkrankungen, z.B. Psychosen

Diagnoseverfahren:
• Bildgebende Verfahren (Computertomografie, PET, Magnetresonanzverfahren)
• Mentalstatus: Interviews und Tests zu Aufmerksamkeit, Lernen, Erinnerung, Sprache, Fähigkeit zum räumlichen Erfassen.

Ursachen

Erkrankungen des Gehirns, körperliche Erkrankungen z.B. von Herz, Leber, Nieren oder Lunge, Stress, schlechter Schlaf und mangelhafte Ernährung können Gedächtnisschwäche verursachen. Gefäßbedingte (vaskuläre) Hirnschäden sind häufig, insbesondere als Folge hohen Blutdrucks.
Das Gedächtnis kann durch viele Faktoren moduliert werden: Hormone (besonders Schilddrüsenhormon), legale und illegale Drogen, insbesondere Alkohol und Schlaftabletten, andere Medikamente und Stoffwechseleinflüsse. Östrogen kann die Leistung insbesondere des verbalen Gedächtnisses verbessern.

Verlauf, Komplikationen, Formen

Die sog. milde kognitive Schwäche (MCI) mit Gedächtnisproblemen, aber ohne Verwirrung und ohne Aufmerksamkeits- oder Sprachprobleme, geht innerhalb von sechs Jahren bei 80% der Betroffenen in Morbus Alzheimer über.
Davon zu unterscheiden ist der altersassoziierte kognitive Abbau, der von MCI abgrenzt wird, indem man in neuropsychologischen Tests Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit und problemlösendes Denken mit den Leistungen in der gleichen Alters- und Ausbildungsklasse vergleicht.
In Phasen des Wechsels von Körperfunktionen treten durch verschiedene Faktoren harmlose, reversible Störungen der Gedächtnisleistungen auf: weibliches und männliches Klimakterium,
Schwangerschaft, Pubertät u.a.
Bei Alzheimer ist der Verlauf ist sehr variabel, von galoppierendem Abbau der Persönlichkeit bis zu langsam einsetzender Gedächtnisstörung. Die Alzheimer-Demenz schreitet oft fort und kann – muß nicht! - innerhalb von sechs bis fünfzehn Jahren nach den ersten Symptomen zum Tod führen.
Die vaskuläre Demenz verläuft nicht einheitlich. Sie kann auch jahrelang stillstehen. Rückbildungen sind sehr selten.
Das Urteilsvermögen und das Denkvermögen lassen nach, mathematische Fähigkeiten verschlechtern sich. Die Kontrolle über Emotionen und Sozialverhalten sowie der Antrieb verschlechtern sich. Die Wahrnehmung und Orientierung sind gestört. Dazu können Störungen der Sprache und des Erkennens von Objekten kommen. Die Patienten haben Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, Gegenstände zu benennen, mit Küchengeräten oder Werkzeugen umzugehen. Sie scheinen oft ratlos zu sein. Vertraute Personen werden nicht erkannt. Der Schlaf-Wach-Rhythmus kann ebenfalls gestört sein. Nachts sind die Patienten wach und unruhig, sie wandern ziellos umher. Viele Patienten werden im Verlauf der Erkrankung urin- und stuhlinkontinent. Sie verlernen Fähigkeiten wie Essen oder Laufen und sind im Endstadium der Erkrankung pflegebedürftig.

Vorkommen, epidemiologische Bedeutung

Laut WHO leiden weltweit an die 180 Millionen Menschen an Störungen des ZNS, die mit Störungen des Gedächtnisses und anderer kognitiver Leistungen einhergehen. Ein langsames Abnehmen der Gedächtnisfunktion mit zunehmendem Alter gilt aber als normal. Mit höherer Lebenserwartung der Menschen in den Industrienationen wird der Anteil der „Gedächtnisschwachen“ vermutlich höher werden. Andererseits sind viele Menschen nicht mehr bereit, diesen Abbau als naturbedingt hinzunehmen, und steuern aktiv dagegen.

Therapie und Ziel der Behandlung

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Selbstwahrnehmung der Gedächtnisleistung einer Person und der nachfolgend beobachteten Veränderung der Gedächtnisleistung, besonders in einer Region, die für Lernen und Erinnerung zuständig ist. Erlebt man sein Gedächtnis als funktionierend, hebt das die Leistung. Daher sind Erfolgserlebnisse und Bestätigung hier besonders wichtig.
Eine große Anzahl der Personen, die an einer milden Form des Gedächtnisverlustes leiden, haben die Möglichkeit, diesen Verfall aufzuhalten. Es ist möglich, ihn zu verlangsamen oder zu umgehen, da für die Gedächtnisleistungen weniger genetische Faktoren verantwortlich sind als Einflüsse der Umgebung und des Lebensstils.
Man sollte wissen, welcher Lerntyp man ist, d. h. ob man eher durch Zusehen, Zuhören oder selbst Handeln etwas behält oder durch Mitschreiben, durch ein- oder mehrmaliges Wiederholen oder durch Kombinationen mehrerer Methoden. Immer sollten dabei das Interesse und Engagement im Vordergrund stehen. Motivation und Empathie durch Partner, Freunde und Verwandte ist von größter Bedeutung und Hilfe für die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Reproduktions- und Übungsmethoden sind dagegen für das Gedächtnis – im Gegensatz zur Wahrnehmungs- und motorischen Ebene – nur eingeschränkt zu befürworten. Ein an das Individuum angepasstes und auf seine Leistungsfähigkeit und seinen Leistungswillen zugeschnittenes Gedächtnistraining ist am wirkungsvollsten.
Gute Ausbildung und damit Hirntraining bereits früh im Leben schützen vor Gedächtnisverlust. Nützlich ist eine vitalstoffreiche Ernährung (Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien u.a.). Dauerstreß ohne Erholung ist zu vermeiden, auf ausreichend Schlaf zu achten. Hirntraining muß Spaß machen und darf nicht als „Pflichtübung“ empfunden werden. Lernen und Anwenden von Fremdsprachen ist sehr empfehlenswert. Ein stabiler Freundeskreis mit hoher gegenseitiger Empathie ist „gesund“ und wertvoll.
Medikamente gegen Demenz haben nur in Einzelfällen stärkere Effekte, manchmal überwiegt in der Bilanz die schädliche Nebenwirkung. Gingko bildet hier eine Ausnahme, da kaum Nebenwirkungen zu spüren sind. Leider ist Gingko erst bei voll ausgebildeter Demenz auf Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig. Wahrscheinlich ist ein viel früherer Einsatz als generelles Zell- und Gefäßschutzmittel sinnvoll, ebenso wie bei Omega-3-Fettsäuren (z.B. Perilla-Wurzel).
Risikofaktoren für die Erkrankung müssen optimal behandelt werden (Diabetes, Bluthochdruck etc.). Der Lebensraum der Erkrankten ist möglichst optimal zu gestalten. Beispielsweise sollte die Wohnung übersichtlich und gut beleuchtet sein, Hinweisschilder an den Türen können die Orientierung erleichtern.
Als Pflegeperson müssen Sie auf Ihre eigenen Kräfte und Ihre Gesundheit besonders achten.
Patienten mit Gedächtnisstörungen auf ihrem schweren Weg zu begleiten, ist eine kraftraubende Vollzeitaufgabe. Man kann dadurch innerlich aber auch wachsen.



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