28.06.2017

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Die Grundmerkmale des Perfektionismus

Haben Sie diese Muster an sich schon bemerkt? Wirklich nicht??

Vorabdruck aus dem neuen Buch des Psychotherapeuten J. Ludwig.


Perfektionisten verlangen Einmaligkeit!
Als Markenzeichen lassen Perfektionisten im ehrgeizigen Streben, Alles bestens zu machen, ihrer jeweiligen Einmalkeit so gut wie keinen Wert zukommen. Sie wollen das Richtige sogar noch toppen, indem sie das optimale anvisieren. Dem Perfektionisten reicht es nicht, etwas …..nein, er verlangt von sich, alles richtig zu machen. Aber auch das genügt häufig noch nicht seinen Ansprüchen. Hundert-fünfzigprozentig soll es werden, noch optimaler als optimal...also optimal-gigantisch, sensationell, mengenmäßig. In diesem gierigen Jagen nach Superlativen ist für seine Einmaligkeit kein Platz, denn Einmaligkeit ist geprägt durch zwei Aspekte, die dem Vollkommenheitssucher nicht geheuer und oft unerträglich sind. Einmaligkeit zeichnet sich aus
• durch Unverwechsel- bzw. Unvergleichbarkeit und
• durch Begrenztheit.
So ist z.B. eine Gänseblume unverwechselbar mit einer Rose und, wenn man ganz genau hinschaut, auch unverwechselbar mit all ihren unmittelbaren Artgenosseninnen. Sie ist eine Gänseblume und dies in ihrer höchst eigenen Weise. Diese macht sie einmalig und setzt ihr gleichzeitig bestimmte Grenzen. Genau diese Begrenzung will der Perfektionist nicht hinnehmen. Er fordert von sich, alle Grenzen zu sprengen und zu überrennen. Er will grenzenlos gut, kompetent, beliebt und erfolgreich sein.....eine global gültige Superlative. Mit einer einzigen Einzigartigkeit, auch wenn es die eigene ist, gibt er sich keinesfalls zufrieden. Was ihn höchsten noch erregt, ist die Summe aller Einmaligkeiten verkörpern zu können, also die unendliche Vielfalt in einer, eben seiner Individualität zu verdichten.
Weil er des weiteren anstrebt, im Finale über allen anderen zu stehen - weil er also letztendlich unvergleichbar gut, sprich perfekt werden möchte - muß und will er sich auf dem Weg zum Endziel vergleichen lassen. Das mag paradox klingen, aber ohne Vergleich erreicht er nicht seine anvisierte Position, die des unangefochten Besten: Ein Rang, auf dem er im und durch Vergleich unvergleichlich gut geworden ist. Die Unvergleichbarkeit, eins der typischen Merkmale von Einmaligkeit, taugt dem Superlativfetischisten nicht als Werkzeug, um unvergleichlich erfolgreich zu werden.
Deshalb hat er für seine Einmaligkeit keinen tieferen Bedarf. Vielleicht ist er sich ihrer ab und zu bewußt, sozusagen als einem lästigen Anhängsel, als Klotz am Bein. Vielleicht nimmt er sie zähneknirschend als notwendiges Übel in Kauf, aber letztlich hat er für sie keine Verwendung, Großteils verachtet er sie sogar. Sie ist ihm einfach zu begrenzt und mickrig. Weil er einem so viel größeren - und wie Sie noch entdecken werden - unerreichbaren Schatz hinterherjagt, erscheint ihm der betörende Reichtum seiner Einzigartigkeit als wertlos. Um ein Hirngespinst zu erreichen, ignoriert er sein wirklich greifbares Vermögen und tritt es mit Füßen. Was für ein Jammer!

Von jedem geliebt zu werden ist eine Illusion
Zu den vermessenen Phantasien von Perfektionisten gehört auch die einer globalen, grenzübergreifenden Attraktivität, die erreichbar dünkt, wenn man nur Alles richtig anstellt und selber richtig wird. Eine Kopie dieser Illusion hat nahezu jeder Superlativfetischist in seinem Kopf: Alle sollen ihn anerkennen, bewundern und lieben. Bei konzentriertem Reflektieren können sich Perfektionisten darüber im Klaren sein, daß universelle Beliebtheit ohne die Mithilfe von Zauberei doch eher unrealisierbar ist.
Der innere Drang, sich mit perfekten Leistungen allseits lieb Kind zu machen, sitzt jedoch tief. Er dominiert das Handeln und Fühlen in den meisten Phasen des Alltags. Die Bewältigung des bei ihm enorm hohen Tagesstress zapft ihm genau die Energie ab, die er bräuchte, um sich von fragwürdigen Denkmustern und den darausfolgenden, irrealen Wünschen langanhaltender und deutlicher zu distanzieren. Besonders wenn er sehr belastet, angeschlagen und erschöpft ist (fast sein Normalzustand), wird er überschwemmt von den unseligen Sehnsüchten nach totaler Beliebtheit und globaler Anerkennung. Tiefere Klarheit über deren Unrealisierbarkeit liegt somit leider nur selten vor.
Mister Perfect erkennt den Unfug seiner Wünsche vielleicht in einer bestimmten Situation, in der nächsten aber schon wieder nicht. Manchmal erfaßt man den vermessenen Unsinn auch beim Betrachten der Anderen, nicht aber bei sich selbst. So vermag eine Person mit Vollkommenheitsdrang eben noch einen Arbeitskollegen zu trösten, indem sie ihn beruhigt: „Vergiß doch mal den 3. Geschäftsführer, dafür findet Dein unmittelbarer Chef den ausgetüftelten Plan brillant. Es muß doch um Himmelswillen nicht jeder begeistert sein.“
Nur eine halbe Stunde später klagt dieselbe Person aber in sich hinein: „Das darf einfach nicht wahr sein! Bis vor einer Minute war ich noch auf Wolke Sieben, weil mich all meine Mitarbeiter bei der Aktion unterstützen wollen, da kommt diese verhexte eMail von Hr. Kretzte mit seinen duseligen Einwänden und macht auf einen Schlag Alles zu nichte. Da habe ich ja mal wieder schön versagt.“
Beim Trost für den Arbeitskollegen ist sich dieser Herr somit noch der Wahrheit des weisen Spruches bewußt: „Es recht zu machen jedermann, ist die Kunst die keiner kann.“ Wenn es um sich selbst geht, hat er kurz darauf dieselbe Weisheit aber schon wieder vergessen. Die Tatsache, daß von 10 Mitarbeitern einer herumzickt, wird als Desaster und als persönliche Niederlage gewertet. Hier kommt eine weitere Spezialität von Perfektionisten in Spiel: Das Alles-oder-Nichts-Muster, also das Denken und Handeln in Extremen.

Das Alles-oder-Nicht-Muster
Dieses
fatale, mentale Prinzip mit seinem Hin- und Herpendeln, zwischen Schwarz oder Weiß, lieb oder böse, ganz oder gar nicht, richtig oder falsch etc. gehört zur geistigen Grundausstattung eines jeden Perfektionisten. Es ist gewissermaßen sein täglich Brot. Ohne dieses Denkmuster verlöre der Vollkommenheitswahn einen Großteil seiner destruktiven Sprengkraft. Der Nährboden für das Gedeihen selbigen Musters besteht aus der Tatsache, daß Perfektionisten so versessen darauf sind, mindestens die 100%-Marke zu knacken. Alles was darunter liegt, wird als Schande, Katastrophe, Drama und selbstverschuldetes Versagen eingeordnet. Alles was nicht dieser glanzvollen Marke entspricht, schrumpft zusammen zu einer schnöden, beschämenden Wertlosigkeit. Entsprechend schwört der Superlativfetischist sich selbst und seine nahestehenden Mitmenschen (von den eigenen Kindern über Ehefrau bis hin zu seinen Mitarbeitern) besessen auf den geeigneten Code ein: „ Für uns gibt es nur eins.......die Besten zu sein.......Alles perfekt durchzuziehen. Halbe Sachen sind nicht akzeptabel. Wenn etwas nicht optimal ist, dann ist es eben Pfusch. Wir dürfen erst zufrieden sein, wenn eine Eins mit zwei dicken Nullen erstrahlt, und selbst dann sollten wir eigentlich nochmals 50% darauf packen. Nur so wird und bleibt man ein Gewinner. Nur so geht man in dieser Welt, in diesem Dschungel nicht unter!“
Daß der Perfektionist sich auf diese Weise unendlichen, nicht enden wollenden Druck macht, liegt auf der Hand. Gerade mit dem letzten Teil seines Einpeitschungscodes kreiert er aber zusätzlich noch ein erschütterndes Ausmaß an Existenzangst. Die Panik schürende Botschaft lautet ja: „Nur, wenn Du Dich bis ganz nach oben kämpfst, bleibst Du am Leben. Ansonsten landest Du in der Gosse, in der Hölle oder sonst wo, wo es wirklich nicht komfortabel zugeht!“
Wirklich schlimm daran ist, daß der Vollkommenheitsfanatiker diesen bedrohlichen Unsinn in den meisten Phasen seines Alltags tatsächlich glaubt. Er sieht ihn vor sich, den Abgrund, in den er stürzen wird, wenn er nicht den höchsten Erfolgsgipfel erstürmen und sich dort festsaugen kann.......und das Wahrhaft Ver-Rückte daran ist: Der Abgrund beginnt für ihn schon ein paar Millimeter unter dem Gipfelfelsen. Man spricht häufig von gefühlter Kälte (z.B. wegen eines eisigen Windes). Nun der gefühlte Abgrund des Perfektionisten beginnt fast immer schon bei 99,99% (statt der vollen 100). Das Credo des Erfolgssüchtigen: „Gut bist Du nur, wenn Du der Beste bist“ läßt alles, was unmittelbar darunter liegt, zum Schlechten, Beschämenden, ja verabscheuungswürdig und Bedrohlich vorkommen. Oh Nein, da will man nicht hin, so ein Versagen will man sich nicht antun. Mit viel Einsatz ist es manchmal möglich, einen Perfektionisten zu beruhigen und ihm zu vermitteln, daß eine 1 oder eine 2 oder gar eine 3 kein Drama oder der Anfang vom unaufhaltbaren Ende sind. Aber es fällt ihm in der Regel schwer, dieser tröstenden Wahrheit tiefer und/oder langanhaltender Glauben zu schenken. Zu sehr stichelt und nörgelt in ihm die Optimierungsstimme: „Was war Dein Ziel? He?......genau, mindestens eine glatte, lupenreine 1 war Dein Ziel......und was hast du eingefahren......eine 1…..ich frage Dich: „Ist eine 1 eine glatte 1 ?......ganz offenbar nicht. Du hast es also vergeigt......hast Dein Ziel verfehlt. Knapp daneben ist auch daneben. Ich würde es mal so formulieren: „Du hast versagt“.
Was glaubst Du wohl, was die Herrschaften mit den glatten Einsen nun über Dich denken......und ich sage Dir noch was: „Mit einer 1 fängt der Weg in den Abgrund an. Dir ist wohl klar, welche Noten als nächste eintrudeln. Ich prophezeie Dir: „Die 5 ist in greifbarer Nähe. Ich sehe schwarz für Dich......mächtig schwarz. Ein Grund zum Frohlocken oder um stolz auf Dich zu sein, ist diese angesaute 1 auf jeden Fall nicht.“
Genau an dieser Stelle macht es Sinn, sich zu fragen: „Was treibt den Perfektionisten eigentlich in seine Gier nach Superlativen hinein?“ Der offensichtlichste Grund hierfür ist natürlich, weil es tatsächlich beglückend, erhebend, prickelnd und berauschend ist, einen großen Erfolg errungen zu haben. Es ist ein mächtiger Kick, keine Frage, in irgendeinem Lebensbereich der Beste zu sein. Aber der Superlativfanatiker erstrebt nicht nur diesen Kick, den er gerade wegen seines maßlosen Ehrgeizes allzu oft kaum genießen kann. Er will vor allem auch dieser eben ins Spiel gebrachten Nörgelstimme entgehen, die sich blitzartig einschaltet, wenn er an der Bestmarke vorbeigeschrappt ist. Fragt man Perfektionisten, warum sie sich so martern und peitschen, antworten sie sehr häufig: “Ich will gar nicht unbedingt der Beste sein, ich will bloß nicht versagen und mich dann tagelang wieder schuldig und mies fühlen müssen.“
Da nun aber für den Vollkommenheitsfetischisten das Versagen schon im Nicht-Gewinnen besteht, bedeutet für ihn, nicht versagen zu wollen unmittelbar der Beste sein zu müssen. Das Ziel, eine Niederlage um jeden Preis zu verhindern, ist also identisch mit dem, die Superlative zu erreichen. Pikant ist nun dabei, daß Mitglieder der Perfektionszunft sich des gerade beschriebenen Sachverhalts häufig nicht wirklich bewußt sind. (Fast) Glaubhaft bescheiden versichern sie, sie seinen keineswegs so erfolggierig und würden wieder mal den Rahm abschöpfen wollen......sie würden vielmehr bloß gerne eine blamable Niederlage vermeiden. Als Zuhörer kann man dann ins Grübeln kommen, ob der Betreffende wirklich so unbewußt ist und selber diesen Trugschluß glaubt oder ob er sich nur verstellt und geschickt zu verkaufen versucht, weil es in der Regel besser ankommt, nicht allzu ehrgeizig und sehr verbissen zu wirken.



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