16.12.2017

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Science Fiction - Kurzgeschichte

Für die Freunde etwas ungewöhnlicher Literatur hier eine Science Fiction – Kurzgeschichte von meinem Patienten Georg Laetus. Herzlichen Dank für die Abdruckerlaubnis. Warnung: nichts für Pessimisten... auch wenn die Daten akutualisiert werden müßten.

Das zweite Leben des Dr. Hauberrißer

Dr. ing. Hauberrißer saß auf seinem Balkon, als es geschah. Er hatte den ganzen Nachmittag vor sich hin gedöst – wie immer, seit die Stadt praktisch verlassen war. Auch heute hatte er den feuerroten Wolken nachgeschaut, die über den Himmel rasten, hatte die schwarzen Rauchsäulen fern am Horizont wieder nicht gezählt und wieder den großen grauen Vögeln zugesehen, die um die leeren Fensterhöhlen des letzten Wolkenkratzers im früheren Frankfurter Bankenviertel kreisten. Diese Vögel hatte es bis 2005 nur in Yucatan gegeben. Dort saßen sie zu Hunderten auf den Mayatempeln und spuckten den Touristen ätzenden gelblichen Speichel auf den Kopf. Vieles war anders geworden, vor allem, seit es in den Städten keinen Strom und kein Wasser mehr gab.

Zuletzt – 2008 – hatte Frankfurt fast vier Millionen Einwohner gehabt. In den Läden in seinem Viertel konnte man sich zum Schluß mit einem Gemisch aus Chinesisch und einem mongolischen Dialekt besser verständigen als in irgendeiner europäischen Sprache. Als es immer wärmer wurde und die Stürme täglich feinen Sand über der City abwarfen, machte sich das schlitzäugige Volk innerhalb weniger Wochen auf die Wanderschaft irgendwohin. Viele von ihnen hatten auf einmal wieder kleine struppige Pferde – wie die, mit denen ihre Vorväter tausend Jahre früher nach Westen geritten waren.

Eine der Banden, die damals die Stadt beherrschten, hatte ihn ausgeplündert. Seine Sammlung historischer Mikrofilme aus den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts hatten sie schwer beschädigt, seinen kleinen Vorrat an Goldbarren fanden sie natürlich sofort – aber seine solarbetriebene Wasseraufbereitungsanlage, sein Mikrotreibhaus an der Fassade
des Wohnblocks und das Kleinkraftwerk in der Ruine der Tiefgarage waren, seit er sie 2006 installiert hatte, keinem Menschen aufgefallen. Sein Leben war friedlich verlaufen, über Langeweile konnte er sich freilich nicht beklagen. Solange es noch Radiosender gab, hatte er immer wieder mitverfolgt, wie sich Millionen von Flüchtlingen aus den Erdbebengebieten in die Überschwemmungsgebiete und zurück bewegten, wie einzelne Persönlichkeiten es noch einmal schafften, Gefolgsleute um sich zu sammeln und versuchten, überlebensfähige Gemeinschaften zu bilden. Er hatte sich fern gehalten und doch, soweit es ging, beobachtet, was geschah. Lückenhaft hatte er dokumentiert, was ihn interessiert hatte. Er glaubte nicht an extraterrestrische Archäologen, und die neue Menschheit, an die er – immer noch – glaubte, würde sicher andere Interessen haben.

In der Stadt selbst hatte Hauberrißer seit dem Sommer 2010 keinen Menschen mehr gefunden, der sprechen konnte oder dem Hauberrißer sich zu zeigen gewagt hätte. Bei seinen Spaziergängen am früheren Mainufer sah er immer wieder unbeholfen aufrecht gehende menschliche Gestalten ängstlich zwischen den Trümmern verschwinden. Einmal hatte er ein solches Geschöpf eingefangen. Ein dunkelhäutiges Weibchen mit flackernden, aber stummen Augen. Zu wenig behaart für einen Affen trug es einen Fetzen aus einer undefinierbaren Folie und gab stöhnende Laute von sich. Es fraß und trank gierig, schlief tagsüber und rüttelte nachts an den Stäben des provisorischen Käfigs, den Hauberrißer gebaut hatte. Noch zehn Jahre früher wäre das eine wissenschaftliche Sensation gewesen: ein lebender homo erectus in Mitteleuropa! Nach einer Woche ließ Hauberrißer das Wesen wieder frei, wie der Blitz verschwand es zwischen den Ruinen der Nachbarhäuser.


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